Adobe-Umfrage zeigt: Europäische Unternehmen brauchen kreativen Funken



25. Mai 2012

Allgemeines

Woran liegt es, dass obwohl in der heutigen Arbeitswelt jedes Hilfsmittel aus dem Smartphone-Arsenal erhältlich scheint, die Angestellten immer noch das Gefühl haben, dass sie nicht genug Kreativität in ihren Arbeitsalltag einbringen können? Liegt es an dem schnelleren Tempo der Kommunikation und des Online-Sharings, das zu einer Situation geführt hat, in der wir alle zu sehr mit dem Kommunizieren beschäftigt sind, anstatt einzuhalten um nachzudenken und kreativ zu sein?

Der Software-Riese Adobe scheint sich dessen sicher.

Adobes neuste Studie zeigt, dass die Arbeitnehmer in ganz Europa ihre kreatives Potenzial nicht ausnutzen. Trotz der Tatsache, dass die nötigen Hilfsmittel, die helfen bei der Arbeit kreativ zu sein, weiter verbreitet denn je sind, sorgen sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, dass der Fokus immer noch zu sehr auf der Produktivität anstatt auf der Kreativität liegt.

Es ist diese Kreativitäts-Dürre, die den Unternehmen auf lange Sicht schadet, denn es wird den Mitarbeitern schwer gemacht, innovativ zu sein und nach intelligenten Möglichkeiten des Arbeitens zu suchen, wenn sie nur darauf fokussieren, härter zu arbeiten.

Laut der Umfrage des Software-Riesen Adobe haben die Angestellten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und Japan ernsthafte Bedenken, dass sie nicht in der Lage sind, in ihrem Berufsalltag kreativ zu sein. Aus jedem dieser Länder wurden 1000 Berufstätige befragt und nur einer von vier Befragten glaubte, sein kreatives Potenzial vollständig auszunutzen.

Da die Kreativität im Umfeld von so vielen Schlüsselindustrien hoch geschätzt wird, zeigt die Tatsache, dass 75% der Befragten sich unter Druck fühlte, die Produktivität anstatt der Kreativität zu priorisieren, dass einige Arbeitgeber in Europa die Balance zwischen Produktivität und Kreativität falsch ansetzen.

Produktivität über Kreativität: Trocknet dies Ideen aus?

Wenn die Ergebnisse der Adobe-Forschung stimmen und besonders die europäischen Angestellten nicht die Möglichkeit haben, sich kreativ auszudrücken, könnte eine Überbetonung der Produktivität durch die Arbeitgeber teilweise daran Schuld sein.

Das verstärkte Interesse der Arbeitgeber an Social Media-Projekten könnte auch ein Teil der Ursache sein. Während Social Media viele positive Aspekt hat, kann es schaden, zu sehr darauf zu fokussieren, Likes, Re-Tweets und andere Social Media-Kommentare zu generieren, da dies die Kreativität der Arbeitnehmer ersticken lässt. Wenn die führenden Köpfe aus dem digitalen Bereich zu sehr mit Re-Tweeting, Check-Ins, Content-Austauch und der Suche nach Online-Feedback beschäftigt sind, ist es durchaus vorstellbar, dass ihre kreativen Energien besser eingesetzt werden könnten.

Ein Ausblick

Während in den USA und Japan eigenständige Bedenken und Sorgen um die kreative Leistung der Mitarbeiter existieren, gilt Japan laut 36% der Befragten der Adobe-Umfrage immer noch als das kreativste Land der Welt gefolgt von den USA, während Deutschland nur 12% erreichte.

Fast die Hälfte der amerikanischen Teilnehmer der Adobe-Studie glaubt, dass die USA das kreativste Land der Welt sind, besonders weil einige amerikanische Städte weltweit als kreative Hot Spots bekannt sind. New York wurde als kreativste Stadt direkt hinter Tokio gelobt (27% der Befragten nannten New York, 28% nannten Tokio). Diese beiden Städte dominieren zusammen mit San Francisco (11%) und Los Angeles (9%) die oberen Plätze des Kreativ-Rankings. Im Gegensatz dazu erreichten Paris (11%), Berlin (2%) und London (2%) nur einen Bruchteil der Stimmen.

Während die wirtschaftliche Lage und der Arbeitsmarkt in Deutschland weitaus stabiler sind als bei vielen der europäischen und globalen Konkurrenten Deutschlands, könnte dieser vermeintliche Mangel an Kreativität potenziell langfristiges wirtschaftliches Wachstum ersticken, vor allem im Bereich der digitalen Industrie. Unternehmen, die IT-Jobs in äußerst kreativen Positionen bieten, müssen sicherstellen, dass ihren Mitarbeitern die Zeit, Ressourcen und Fähigkeiten zur Verfügung stehen, um die europäische Antwort auf Steve Jobs oder Mark Zuckerberg zu produzieren!

Was sollte geändert werden?

Die Arbeitgeber sollten einen sich einen detaillierten Einblick in die Arbeitsweise ihres Unternehmens verschaffen und entscheiden, ob sie ihren Mitarbeitern genug Gelegenheit bieten, über den Tellerrand ihres Posteingangs zu schauen und innovative Lösungen zu entwickeln oder zu der Verbesserung der Dienstleistungen und/oder der Produkte beizutragen. Laut der Adobe-Studie glauben 47% der Mitarbeiter, dass Zeitmangel das größte Hindernis für Kreativität ist.

Leider ist es nicht für jeden Arbeitgeber möglich, dem Google-Beispiel der “20 Prozent der Zeit” zu folgen und ihre Mitarbeiter 20% ihrer Arbeitszeit tun zu lassen, was immer sie wollen. Diese Regelung hat sich für den Suchmaschinen-Riesen als extrem erfolgreich erwiesen: Die Google-Mitarbeiter können 20% ihrer Zeit auf eigene Projekte und Ideen verwenden, die sie dann ihren Vorgesetzten präsentieren und im Idealfall in Realität umsetzen. Allerdings hat nicht jeder so viel Zeit zu Verfügung, um sie den Angestellten zu überlassen.

Geduld kann eine Tugend sein, aber den Arbeitgebern kann für den Wunsch nach mehr mittelbaren Ergebnisse der Arbeit vergeben werden. Jedoch sollten für Unternehmen aus den kreativen Umfeldern (Marketing, Technologie, Kommunikation) die Vorteile einer freieren Zeiteinteilung definitiv eine Überlegung wert sein.

Diese „Zeit des kreativen Denkens“ könnte auch in Form einer wöchentlichen Besprechung zum Ideenaustausch erfolgen oder Arbeitgeber könnten ihren Angestellten formal einige Stunden pro Woche zu diesem Zweck überlassen.

Bildquellen:

(Tom)

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P.S.: Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Matthias und ich schreibe hier nun schon seit 2007 mit viel Spass. Du kannst mich zusätzlich auch auf Google+ erreichen, aber noch mehr freue ich mich über einen Austausch per Kommentar.

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10 Antworten zu “Adobe-Umfrage zeigt: Europäische Unternehmen brauchen kreativen Funken”

  1. Richard Sagt:

    Matthias du hast mich zum nachdenken gebracht! 😕
    „Diese “Zeit des kreativen Denkens” könnte auch in Form einer wöchentlichen Besprechung zum Ideenaustausch erfolgen oder Arbeitgeber könnten ihren Angestellten formal einige Stunden pro Woche zu diesem Zweck überlassen.“

    Ich glaube die meisten Arbeitsgeber wollen, dass die Arbeitsnehmer das in ihrer Freizeit machen!

  2. Alltagsoekonom Sagt:

    Ein sehr schöner und interessanter Beitrag.

    Ich habe VWL studiert und kann dazu nur sagen, dass das Thema Kreativität in meinem Studium kaum eine Rolle gespielt hat. In den meisten Fächern geht es um kurzfristige Effizienz.

    In vielen Modellen hat man außerdem immer noch die Annahme, dass Menschen eigene Interessen verfolgen, die den Interessen des Unternehmens entgegenstehen und durch die passenden monetären Leistungsanreize zu mehr Einsatz getrieben werden müssen.

    Die Motivationsforschung zeigt, dass der Mensch eine intrinsische Motivation hat, also eine Motivation, die von innen kommt. Außerdem ist Freiraum bei der Arbeitsgestaltung wichtig. Wenn der Arbeitnehmer, wie im Artikel beschrieben, dann noch einen Teil der Zeit für das aufwenden kann, was ihn beruflich interessiert, dann fördert das zusaätzlich die Kreativität und auch die Eigenmotivation.

    Kurzfristig mag man mit monetären Anreizen und ,,Druck von oben“ mehr erreichen, aber ich denke, dass sich bei langfristiger Betrachtung Freiräume
    für die Arbeitnehmer aus SIcht des Unternehmens auszahlen. Auch in diesem Punkt stimme ich also mit dem Artikel überein.

  3. Skatze Sagt:

    Sehr guter Artikel, fand ihn auch ziemlich interessant.
    Zuallererst hab ich große Augen gemacht, als ich von den 20 Prozent bei Google gelesen habe. Das ist ja wirklich genial!!! Sowas würde ich mir mehr wünschen.

    Ansonsten stimme ich im Groben zu, obwohl ich der Meinung bin, dass gerade durch das Social-Media und die breite Masse, die ihre Kommentare und Likes etc. hinterlassen, so groß ist, dass man sich wieder von der Masse abheben muss und somit auch wieder kreatives Denken ans Tageslicht bringt.
    Allerdings ist diese Form auf der Kreativheitsskale nicht sonderlich hoch angesiedelt, kann ich mir vorstellen.

    Ich bin definitiv für mehr Kreativität, denn wie du schon sagst, nur so kann es zu Innovationen kommen. Klasse Sache von Adobe um die Arbeitgeber diesbezügloch ein wenig wachzurütteln.

    Beste Grüße, Skatze!

  4. Guenter Sagt:

    Einer der größten Kreativitätskiller ist die andauernde und regelmäßige Beschießung mit Emails.
    Früher gab es einmal am Tag die Post in einem großen Betrieb. Ab und zu kam dann noch ein Anruf durch.
    Heute bekommt man alle zwei oder drei Minuten ein neues Email, das gleich gelesen, bearbeitet oder weitergeleitet sein will. Da können nur noch wenige in Ruhe sich Gedanken machen über die wirklich wichtigen Dinge.
    Vielleicht sollten Arbeitgeber den Email Server nur eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Nachmittag laufen lassen???

  5. Andy Sagt:

    Muss da einfach zustimmen. Kreativität wird immer wichtiger und viele Unternehmer haben es noch nicht begiffen, dass man gerade daraus auch seinen Vorteil ziehen kann. Jeder Mitarbeiter hat so sein Spezialgebiet und deshalb finde ich solceh Sitzungen recht gut.

  6. Evelyn Sagt:

    Man hört zwar immer, dass Kreativität immer wichtiger wird, aber wenn man mal ehrlich ist, und sich so ein mittelständisches Unternehmen mal anschaut, dann bleibt da oft wenig Zeit und Muse um wirklich kreativ zu sein.

    Leider ist es bis dahin noch nicht vorgedrungen, dass kreative Mitarbeiter auch langfristig produktiver und mehr zu leisten im Stande sind.

    Das muss nicht immer ein tolles Kreativitätsseminar, oder ein vorgegebenes „Zusammensetzen“ (aka Meeting?!) sein. Man sollte sich einfach mehr untereinander austauschen… und damit meine ich nicht E-Mails! Einfach über die täglichen Prozesse reden, sich austauschen (ungezwungen, ohne angesetztes Meeting), und vor allem auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Unvoreingenommen mal die „Landschaft“ um den eigenen Betrieb herum betrachten und sehen wohin aktuelle Trends laufen. Dadurch kann schon viel „Kreativität“ angeregt werden.

  7. Max Sagt:

    Google oder 3M sind da DIE bekannten Beispiele für professionell etablierte Kreativität am Arbeitsplatz. Das „Problem“ an Kreativität ist, dass sie oft moderiert, analysiert und entwickelt werden muss, z.B. bei einem Brainstorming – denn wenn 5 Mitarbeiter einfach einen Tag „kreativ sein sollen“ ist die Frage, ob etwas sinnvolles dabei heraus kommt…

  8. Mike Sagt:

    Kreativität ist an sich nicht erlernbar, ich habe neulich einen sehr interessanten Beitrag zu Kreativität von Prof. Peter Kruse (Youtube) gehört und er sagt das es wichtiger ist die Menschen zu vernetzen und die Menschen die mit Problemen kommen und stören zulassen und durch Probleme wird man dann kreativ um sie zu lösen und Prozesse zu verbessern bzw. vorran zu bringen.
    Wirklich sehr empfehlenswert
    Aber danke für deinen ausführlichen Bericht. Hätte nicht gedacht das New york soweit oben steht 😉

  9. Elena Sagt:

    Für große Firmen wie Google ist es sicherlich möglich, seinen Mitarbeitern 20% der Arbeitszeit zum tüfteln zu geben. Für ein kleines Unternehmen sind das ungeheure kosten…

  10. Zeno Sagt:

    Warum ist denn bitte gerade Tokio die zweitkreativste Stadt der Welt? Ich dachte immer, Asiaten wären so die unkreativsten Menschen (jetzt mal salopp ausgedrückt), weil die nicht dazu erzogen werden. Ich hab so oft gehört, dass die in ihrem Ausbildungssystem zu Arbeitstieren herangezogen werden, denen jegliche Eigeninitiative fehlt.

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