Der Anfang vom Ende? Axel Springers Abendblatt mit kostenpflichtigem Abo



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Nun ist es also soweit, Axel Springer hat seine erste Webseite auf eine Abo-Modell umgestellt. Seit heute ist das abendblatt.de nur noch eingeschränkt erreichbar. Die Nachrichten werden zwar angeschnitten, aber um den kompletten Inhalt lesen zu können musst Du ein Abo kaufen.

7,95 Euro kostet das Abo das über den Bezahldienstleister ClickandBuy gekauft werden muss. Einziger Lichtblick: Wenn Du schon ein Abo der Zeitung hast, kannst Du auch das Online-Angebot kostenlos nutzen.

abendblatt

Auf der Erklärungsseite des Abendblatts gibt es dann auch einen sehr passenden Satz zu der Umstellung:

Abendblatt.de schläft nie – sie arbeitet 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr. Das alles kostet Geld. Ist es zu viel verlangt, in Zeiten, wo aufgeschäumter Kaffee im Pappbecher drei Euro kostet oder das Telefonvoting für sinnbefreite Casting-Shows mindestens 50 Cent, für das Produkt Qualitätsjournalismus knapp 30 Cent am Tag zu bezahlen?

Guter Punkt, sie haben völlig recht, der Preis ist für die Leistungen angebracht, und auch mit dem Punkt Qualitätsjournalismus haben sie völlig recht:

Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus.

In einem Punkt liegen sie, meiner Meinung nach, aber völlig falsch. Qualitätsjournalismus muss nicht kostenlos sein, kann aber für den Leser umsonst angeboten werden. Man muss eben seine Kosten auf eine andere Weise decken, das Medium Internet bietet dazu haufenweise gut funktionierende Geschäftsmodelle an, da kann ein Abo einfach nicht die Antwort sein.

Ich glaube die Zielgruppe der täglichen Leser fahren mit sowas recht gut. Ich glaube aber auch, dass die Mehrheit der Leser Gelegenheitsleser sind die auf der Suche nach Nachrichten sind die sie oftmals an vielen verschiedenen Stellen finden können, nicht erst seit Google News. Damit gibt es immer eine kostenlose Alternative. Für mich zB käme so ein Abo nicht in Frage. Dann lese ich eben woanders, auch bei anderen Zeitungen gibt es Qualitätsjournalismus, und den für mich kostenlos.

SEO + News  – Alles stirbt irgendwann
Und noch einen Punkt scheint Springer da gänzlich übersehen zu haben, und der heisst Google. Mit den gekürzten Artikel die ja Lust auf mehr machen sollen wird es das Abendblatt sehr schwer haben guten Traffic (also potentiell zahlende Kunden) zu bekommen. Dafür ist das Text/Link Verhältnis nun einfach zu schlecht, es fehlen massig Worte und eine gute Onpage-Optimierung ist unmöglich.

Und ob Google solche abgeschnittenen Artikel in Google News einbindet ist auch eher fraglich. Damit fallen gleich zwei große Quellen die Leser bringen weg. Ob sich das mit dem Abo-Modell auffangen läßt halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Was denkst Du? Glaubst Du das ist die Zukunft des Qualitätsjournalismus? Gibts den Qualitätsjournalismus nur nach Bezahlung und was ist Qualitätsjournalismus überhaupt. Und wer zahlt für sowas wenn es qualitativ mindestens gleichwertige Alternativen gibt? Ist das für das Abendblatt der Anfang vom Ende oder der Anfang eines funktionierenden Geschäftsmodells?

Nachtrag – First click free:
Die Angebote von Verlagen, die sich an “First Click Free” beteiligen, werden auch dann von Google durchsucht, wenn sie hinter einer Paywall versteckt sind. Bedingung ist allerdings, dass der mit der Suche gefundene Artikel dann auch kostenlos angesehen werden kann: Der “erste Klick” auf die kostenpflichtige Seite ist gratis.

In der Praxis hieß das bisher allerdings, dass man beliebig viele Inhalte einer kostenpflichtigen Seite für lau lesen konnte, wenn man sie über Google fand oder den Cache in Google nutzte. Das sollte sich aber eigentlich in letzter Zeit geändert haben, Google hat dem mit der neuen Regelung ein Riegel vorgeschoben.

Die Teilnehmer können sich dafür entscheiden, die “First Click Free”-Regelung so einzuschränken, dass nur noch fünf Aufrufe pro Tag kostenlos sind. Danach wird dem Nutzer die übliche Aufforderung angezeigt, sich zu registrieren oder ein Abo abzuschließen. Damit würde der Google Bot und der Google News Bot den ganzen Artikel sehen, der User müsste aber zahlen.

Das scheint es auch beim Abendblatt zu geben, somit wäre zumindestens der SEO Teil abgedeckt und das Abendblatt würde auch weiterhin über Google gefunden werden.  Ob Google sowas allerdings lange duldet ist fraglich, schliesslich findest Du einen Artikel mit Suchworten die Du dann nicht sehen kannst, ohne dafür zu zahlen.

Sowas finde ich persönlich ein schlechtes Ergebnis, würde sowas also auch nicht in Google sehen wollen.

Ob das wirklich alles so funktioniert ist damit fraglich und wird sich zeigen..

Nachtrag 2:
Danke für den Hinweis, natürlich gibt es seit heute auch auf der Berliner Morgenpost kleine Eurozeichen die auf das Abo-Modell hinweisen. Somit werden nicht nur die Hamburger sondern auch die Berliner zahlen müssen um ihre Regionalzeitung online lesen zu können.

Damit fährt Springer in seinen beiden größten Regionalen Zeitungen zeitgleich einen Versuch der entweder die Zukunft oder das Ende der beiden Zeitungen online bedeuten könnte..

Nachtrag 3:
Wer ein bischen Langeweile hat kann sich ja mal die Kommentare zum Abo-Artikel durchlesen. Die machen sich gerade nicht viele Freunde und das Credo ist einstimmig: “Nicht mit mir”, und das ist noch die freundlichere Version der Mitteilung..



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Erstellt: Dienstag, 15. Dezember 2009




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15 Reaktionen zu “Der Anfang vom Ende? Axel Springers Abendblatt mit kostenpflichtigem Abo”

Davon 12 Kommentare, 2 Tweetbacks und 1 Trackbacks.

Kommentare (12)

  1. Ich sehe das ziemlich ähnlich und ich denke nicht, dass die Leute den negativen Aspekt mit Google da beachtet haben.

    Bin mal gespannt wie lang sie durchhalten!

  2. ich denke schon das die sich das überlegt und errechnet haben. die sind ja keine anfänger und da sitzen sicher einige pfiffige leute an entscheiderstellen.

    ich frage mich allerdings auch ob die sich nicht verrechnet haben..

  3. Auf Wiedersehen abendblatt.de. Juckt mich nicht die Bohne, die ganzen News gibt es an anderer Stelle kostenlos.

  4. Ich vermute auch, dass der Schuss letztendlich nach hinten losgehen wird. Ich persönlich kenne niemanden der bereit ist im Internet für eine Zeitung zu zahlen. Bei Tageszeitungen aus Papier verstehe ich das, da hat man etwas in der Hand, das man sich zur Not an die Wand hängen kann.

    Außerdem gibt es, wie du bereits richtig bemerkt hast, im Internet Informationen im Überfluss. Das Angebot ist riesig und deckt die Nachfrage locker ab, so dass man sich beim Abendblatt nicht über sinkende Nutzerzahlen wundern muss. Wir werden sehen.

    MfG

  5. Und dazu kommt ja noch, dass man im Moment noch, dank “one click free” die abosperre umgehen kann. ganz legal mit google..

    den workaround zu stoppen würde dann heissen auch aufs SEO zu verzichten..

    somit müssen nur die technisch unversierten leser zahlen..

  6. Ich hab das einfach mal von Marcus kopiert:

    Wer den Artikel über google findet und anklickt kann ihn kostenlos lesen „First click free“ Modell

    http://googlewebmastercentral.blogspot.com/2008/10/first-click-free-for-web-search.html

    (Ihr könnt das Modell testen, indem ihr einen kostenpflichten Artikel anklickt. Danach die URL über den google Befehel „site:[kopierte URL]“ direkt bei google sucht und den Link anklickt. Schon ist der Artikel komplett zu lesen)

  7. Sollen ruhig alle kostenpflichtig werden, ich freu mich über jeden neuen Besucher *fg*

  8. zum glück gibt es in berlin mehrere regionalzeitungen, bei denen man nachrichten aus der stadt lesen kann – bislang kostenlos – im netz..ich wäre bereit, für guten content zu zahlen, aber nicht für kopierte agentur-nachrichten und nicht, wenn ich dafür ein abo abschließen muss..komisch, dass es nicht die möglichkeit gibt, einen einzelnen artikel zu erwerben..

    einen super artikel hat übrigens stefan niggemeier zum thema verfasst, lesenswert! http://www.stefan-niggemeier.de/blog/aussichtslos-selbstmoerderisch-unverschaemt/

  9. was regt ihr euch auf……?! das ist der siechende,faulende,kepierende Kapitalismus…….nur Profitorientiert……….!!! :x :x

    auch die SZ in DD hat ihre OnlineBeiträge vor ca. 2 Jahren für Nichzahler verschlüsselt……

    grussi………. :sad:

  10. Gott sei dank gibt es genügend kostenlose Alternativen! Finde es aber trotzdem ziemlich bedrohlich, dass das freizugängliche Medium “Internet” eventuell bald nur noch aus Abo’s bestehen könnte.

  11. Es gibt ja glücklicherweise genug kostenlose Alternativen. Wird man sehen wie lange es gut geht und ob nicht doch wieder umgestellt wird, was ich denke.

  12. Wer den Firefox benutzt kann sich einfach das Addon “User Agent Switcher” installiern, sich als Googelbot ausgeben und…..nichts bezahlen!


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  1. SEO Tipps sagt:

    Der Anfang vom Ende? Axel Springers Abendblatt mit kostenpflichtigem Abo http://bit.ly/61h8K4

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    [...] Mehr Informationen bietet der Meinngs-Blog unter: http://www.meinungs-blog.de/der-anfang-vom-ende-axel-springers-abendblatt-mit-kostenpflichtigem-abo-... [...]

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