Eine sehr eigenartige Kampagne hat die WELT kompakt aus dem Axel Springer Konzern gerade am Start. „Sind wir reif für eine neue Zeitung?“ heisst die Aktion und soll auf die sinnige Verknüpfung von sozial Media, Internet und dem Printmedium hinarbeiten.
Aber irgendwie verstehe ich denn Sinn nicht so ganz, oder die Aktion funktioniert nicht so ganz. Hier mal zwei der Werbeplakate.
Facebook:

Mutti:

Vielleicht stehe ja nur ich auf dem Schlauch, aber selbst nach längerer Diskussion mit ein paar Freunden verstehe ich die Aktion nicht. Gut, die versuchen das Internet mit dem Printmedium zu verbinden, drucken mittlerweile auch Twitternachrichten ab, aber irgendwie ist da für mich ein Medienbruch im Weg.
So findet man bei Axel Springer eine Erklärung:
Die von der Stuttgarter Kreativagentur Dorten crossmedial konzipierte Kampagne setzt mit der Kernaussage „Sind wir reif für eine neue Zeitung?“ thematisch auf einen konsequent veränderten Fokus, indem ein Printprodukt erstmals typische Internet-Eigenschaften und -Verhaltensweisen adressiert. Ziel ist es, junge, gebildete Leser für WELT KOMPAKT zu begeistern, die vorwiegend Online-Medien nutzen.
Dazu passt auch die inhaltliche Ausrichtung von WELT KOMPAKT, die als einzige überregionale Tageszeitung ein tägliches Internet-Ressort bietet und konsequent auf die Vernetzung und Interaktion mit sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook, YouTube und Google Wave setzt.
(Text- und Bildquelle: Axel Springer)
Aha, es wird also auf Vernetzung und Interaktion mit sozialen Netzwerken gesetzt. Mit einer Zeitung? “Kurz. Anders. Gedruckt” – aha..
Aber es geht noch weiter, es gibt dazu auch einen passenden Kinospot der sehr schönes Bildmaterial zeigt und mit einer sympathischen Stimme (die kommt mir arg bekannt vor, weiss aber nicht woher) daher kommt:
Sind wir reif?
Eine kritische Zielgruppe, die mehr Zeit im Netz verbringt, als in jedem anderen Medium. Eine authentische Kampagne, die ein großes Kulturphänomen aufgreift: unser alltägliches Verhalten im Umgang mit einem Medium, ohne das wir alle nicht mehr leben können.
Ein Kampagne über unseren Umgang mit dem Internet, heisst es da. Von einer Generation deren Hauptfokus sich im Internet abspielt, für deren Bedürfnisse es für alles eine App eine Webseite gibt, wird dort gesprochen. Und dann Werbung gemacht für eine Zeitung? Das so ziemlich langsamste und nicht-interaktivste Medium das man sich vorstellen kann?
Ich finde Zeitungen können einiges. Es fühlt sich toll an Zeitung zu lesen, nichts ist gemütlicher als eine Zeitung in der Hand zu halten und auf dem Sofa zu sitzen. Da kommt ein Laptop auf dem Schoss niemals gegen an. Aber für das Printmedium mit sozialen Netzwerken zu werben und sich mit Onlineverhalten zu vergleichen, erscheint mir irgendwie fehl am Platz.
Und dann der Spruch “Sind wir reif für eine neue Zeitung?”. Ja, vielleicht wird es zeit für eine moderne Zeitung, aber eigentlich wird in allen den Spots doch klar, dass diese Generation der Wagemutigen und Unkonzentrierten alles online erledigt. Wieso sollten wir dann nicht auch Nachrichten online lesen? Wofür sonst gibt es das iPhone, Laptops, Surfsticks, UMTS oder mobile Datennetze?
Wie siehtst Du die WELT kompakt Kampagne von Axel Springer? Gerade DU! Du bist genau diese Generation über die in der Kampagne gesprochen wird. Genau DU bist deren Zielgruppe! Spricht Dich die Kampagne an, regt Dich das zu einem Zeitungsabo an?







am 20. November 2009 um 15:25
Also die Plakate finde ich persönlich nicht wirklich sinnvoll.
Allerdings ist das Video doch sehr gelungen und enthält viele Wahrheiten.
Wieso nicht eine Zeitung die sich dem ganzen Web-geschehen anpasst.
Ich bin dafür!
am 20. November 2009 um 19:29
Es gibt noch ein drittes: http://blog.gilly.ws/2009/11/16/wir-haben-online-so-viele-freunde-dass-wir-ein-neues-wort-fuer-die-echten-brauchen
Die Aussage finde ich knorke. Den Bezug zur Zeitung verstehe ich allerdings nicht so recht.
am 20. November 2009 um 21:29
Ich höre die Werbung nahezu jeden Morgen in meinem Auto im Radio. Und jedes Mal wird in dieser Kampagne natürlich auf das Internet eingedroschen. Naja, Zeitung, ein aussterbendes Medium eben… und dann noch eine neue Zeitung auf den Markt schmeißen.
Ich finde es schon lustig, wie wöchentlich die Leute von BZ & Co vor meiner Hochschule Studenten abgreifen wollen
am 22. November 2009 um 16:32
ich finde es gut dass Social Media auch im Real life immer mehr Einfluss findet! Vor 10 Jahren wäre so eine Plakatkampagne über Ströer undenkbar gewesen…
am 6. Dezember 2009 um 00:56
Ja, wir sind reif! http://www.youtube.com/watch?v=mobWwcTWyOk
am 6. Dezember 2009 um 07:53
Hehe, vielen Dank für das Video
am 13. Dezember 2009 um 23:57
Wie merkwürdig, erst die Schnelllebigkeit der modernen Welt latent zu kritisieren oder zumindest zu hinterfragen (“Wir haben so viele Freunde online, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen”) um dann ein weiteres Produkt für den schnellen Konsum an Medien anzubieten (“Kurz. Anders. Gedruckt.”).
Absurd.