Das ist doch mal ein Hohn was sich die Süddeutsche Zeitung da geleistet hat, oder?
Die haben eine eMail an alle Redakteure verschickt, in der festgestellt wird, dass es zu Entlassungen kommen wird und das die Redaktionen Leute finden sollen die freiwillig gehen, ansonsten wird die Chefetage Leute für eine Kündigung aussuchen.
Was vielleicht mal als nette Aktion gedacht war (eventuell gehen dann welche die eh weg wollten), ist meiner Meinung nach aber katastrophal umgesetzt worden.
Einmal in einer Zeit wie im Moment eine solche Nachricht an die Mitarbeiter zu verschicken ist schon gefährlich, aber dann zu erwarten das die Mitarbeiter untereinander für Abgänge sorgen ist doch mehr als bedenklich.
Warum sind Kündigungen unumgänglich?
Die meisten Zeitungen, darunter auch die SZ, verdienen den größten Teil der Einnahmen mit Anzeigen. Da im Moment einfach weniger Budget in Werbung fliesst, gehen hier die Einnahmen verloren.
Einen weiteren großen Teil (wenn nicht den größten) nehmen die Zeitungen mit Stellenanzeigen ein. Diese sind, im Vergleich zu Online Jobboards, allerdings relativ teuer.
Da im Moment weniger Leute eingestellt (also auch gesucht) werden und die teuren Anzeigen natürlich zuerst eingestellt werden, trifft es die Zeitungen als erste. Wesentlich weniger Einnahmen heisst dann eben auch Kosten einzusparen, und für kurzfristige Einsparungen werden eben gerne Menschen rausgeworfen.
(Mal an sinkende Managementgehälter gedacht.. Pah, die Entscheider trifft es wohl immer zuletzt..)
Hier ist die Mail die von der SZ an die Mitarbeiter verschickt wurde.
(Quelle: Handelsblatt)
“Liebe Kollegen,
heute haben wir schlechte Nachrichten fürs ganze Team – weit schlechtere, als wir das noch in den letzten Tagen erwarten durften.
Die Finanzkrise, über die wir täglich schreiben und die sich mittlerweile zu einer Wirtschaftskrise geweitet hat, trifft die Süddeutsche Zeitung nun mit voller Wucht. Seit einigen Wochen brechen die Anzeigenaufträge massiv weg, die Prognosen für das nächste Jahr sind sehr schlecht, und der Verlag rechnet nicht damit, dass es bald besser wird. Dieser schnelle Einbruch war vor einigen Wochen, als mit der Austellung des Etats begonnen wurde, noch nicht absehbar. Und auch in den letzten Tagen gab es noch andere Signale aus dem Verlag, wie etwa dem Artikel von Marc Beise in der Umzugsbeilage zu entnehmen ist. Tatsächlich haben sich die Zahlen des Anzeigengeschäfts, das 60 Prozent des Umsatzes der SZ bringt, von Woche zu Woche verschlechtert. Der Rückgang des Anzeigengeschäfts, sagen Verlag und Chefredaktion, ist “dramatisch”.
Die Chefredaktion hat uns daher gestern nach Redaktionsschluss darüber informiert, dass es bei der Süddeutschen Zeitung einschneidende Sparmaßnahmen geben wird – so wie bei anderen Tageszeitungen auch. Durch diese Sparmaßnahmen soll verhindert werden, dass die Zeitung wie in der Zeitungskrise 2001/2002 wieder in die roten Zahlen rutscht. Die Redaktion muss daher ab dem nächsten Jahr mit weniger Personal und einem deutlich geringeren Etat auskommen. Dies hat der Herausgeberrat diese Woche entschieden. Für uns als Redaktion bedeutet dies: Wir müssen die Zahl der festen Mitarbeiter deutlich reduzieren. Dies betrifft gleichermaßen alle Ressorts. Aus Sicht des Verlags sind betriebsbedingte Kündigungen unausweichlich – es sei denn, die Redaktion findet einen anderen Weg, um den Personalabbau zu organisieren.
Wir sind davon überzeugt, dass es einen anderen, bessern Weg gibt. Chefredaktion und Ressortleitung werden daher in den nächsten Wochen mit Mitarbeitern darüber reden, ob sie freiwillig aus der Redaktion ausscheiden. Der Verlag will Mitarbeitern, die dieses Angebot annehmen, eine Abfindung zahlen. Wir werden bitten daher alle festen Mitarbeiter, die ohnehin über eine andere Lebensplanung nachdenken, über einen freiwilligen Abschied nachzudenken – versehen mit einer entsprechenden Abfindung.
Wir werden darüber hinaus prüfen, auf welche Mitarbeiter wir unter den veränderten Bedingungen auf keinen Fall verzichten können – und welche eher verzichtbar sind. Mit diesen Mitarbeitern werden wir anschließend über eine freiwillige Auflösung ihres Vertrags reden. Denn unser Ziel ist es, auch mit weniger Mitarbeitern künftig eine Zeitung mit sehr hoher Qualität zu produzieren. Dies ist gerade in einer Zeit wichtig, in der die Wirtschaftskrise von der XXX-redaktion eine besondere Kompetenz erfordert.
Klar muss dabei sein: Der Stellenabbau ist unvermeidlich.
Gelingt es der Redaktion nicht, diesen selber zu organisieren, wird der Verlag dies übernehmen – mit unabsehbaren Folgen für die Qualität des Blattes.
Auch beim Honoraretat und beim Reiseetat wird es ab dem nächsten Jahr deutliche Einschnitte geben – und zwar jeweils um 20 Prozent. Wir werden in den nächsten Wochen prüfen, wo sich diese Einsparungen realisieren lassen. Ein Einschnitt von 20 Prozent bedeutet dabei keineswegs, dass jeder fünfte Pauschalist gehen muss. Es gibt im Honoraretat noch etliche andere Posten, die erhebliches Einsparpotenzial bieten. So werden wir sicher künftig erheblich weniger Texte von Fremdautoren drucken. Auch die Bildhonorare werden wir überprüfen, ebenso die Reisetätigkeit. Künftig werden wir Interviews häufiger nur noch mit einem Redakteur oder Pauschalisten besetzen können. Auf aufwendige Reisen werden wir häufiger verzichten – wahrscheinlich auch auf das für 2009 vorgesehene Korrespondententreffen.
(Zur Anonymisierung wurde hier ein Teil entfernt) Auch wir sind seit gestern in einem Ausmaß beunruhigt, wie wir dies bisher nicht waren. Es ist auch kein Trost (aber man sollte es bedenken), dass es anderswo in der Wirtschaft nicht besser aussieht, sondern häufig noch weit schlimmer (Zur Anonymisierung wurde hier ein Teil entfernt).
Wir wissen auch, dass es schwer ist, sich unter diesen Bedingungen voll auf seine Arbeit zu konzentrieren. Aber gerade jetzt, in einer auch für die Tageszeitungen schwere Zeit, ist dies besonders wichtig – damit die Süddeutsche Zeitung im Lesermarkt (dem es immer noch deutlich besser geht als dem Anzeigenmarkt) auch in Zukunft erfolgreich ist.”
Meine Meinung
Ich finde das eine Frechheit! Jetzt wird nicht nur die Angst in der Redaktion steigen, jetzt könnten auch diejenigen mit Familie oder Kredit auf die Idee kommen einige Singles rauszuekeln um ihren eigenen Job zu behalten.
Wenn nur genügend Leute freiwillig gehen, können die restlichen bleiben.. Das ist doch Scheisse, oder?
Und dann geht sowas (passiert eben immer, muss man einplanen) auch noch an die Öffentlichkeit. Dumm gelaufen würde ich sagen. Für mich wirft das auf jeden Fall kein gutes Licht auf die Geschäftsführung der Süddeutschen Zeitung!
Dabei spielt es keine Rolle, dass es scheinbar einen (wahrscheinlich nicht unerheblichen) Etat für die Abfindungen gibt. Abfindungen sind eine super Sache, aber diese Herangehensweise die intern leicht zur Jagd werden kann, halte ich für bedenklich.
Evolution
Der Stärkere setzt sich durch, der Schwächere geht unter
Wirkt auf mich wie das Moto unter der diese Entlassungswelle bei der Süddeutschen Zeitung gestartet wird.. Eigentlich aber sollte eine Firma doch versuchen die Leistungsträger zu behalten und nicht diejenigen mit den stärksten Ellebogen, oder?
Deine Meinung über die Aktion
Was denkst Du über diese Aktion? Findest Du das einen guten Weg, vielleicht klappt es ja und die Angestellten einigen sich alleine, so ist am Ende niemand traurig.. Oder eine Frechheit die man seinen Angestellten einfach nicht antuen kann? Was denkst Du?



am 18. November 2008 um 15:38
Die Frage die man sich stellen muss ist, wie man es hätte besser machen können! man hätte auch einfach bestimmen können, wer geht und wer nicht. Das hätte zwar weniger Aufmerksamkeit gebracht, aber effizient ist das auch nicht!
Allein der Ton, in dem die Mail verfasst wurde, finde ich zu hart und direkt.
Aber generell wird man halt wenn es um “Lohnkostensenkung” -> Stellenabbau geht, schnell sehr emotional…!
am 18. November 2008 um 19:21
hoffe du bist nüsch der Betroffene……..
aber wenn ich für dich Yiggn will, soll ich mich anmelden…??!!
grussi…………..
am 18. November 2008 um 19:22
erledigt—–> jetzt ni mehr………………
grussi…………….
am 18. November 2008 um 20:30
Mhh… Entlassungen sind immer schlecht, egal wie sie kommuniziert werden. Generell denke ich, dass es die SZ gut gemeint hat. Von der Tendenz her find ich es auch gut, dass man sich Gedanken dazu macht, wie man den Entlassungsprozess evtl. etwas “angenehmer” gestalten kann. Ich denke nicht, dass unter den Mitarbeitern jetzt das große Mobbing anfängt, da sie ja schließlich alle im selben Boot sitzen.
am 19. November 2008 um 13:58
ich finde auch, dass entlassungen immer schlecht sind. man sollte vielleicht mal über arbeitszeitverkürzungen nachdenken. wenn es dann wieder berg aufgeht, kann man ja wieder – und zwar ohne brain drain – hochfahren.
am 19. November 2008 um 14:06
Geemarc hat recht, dass wäre vielleicht eine tragfähige lösung!
am 19. November 2008 um 14:31
Aha.. gleiche URL, gleiche IP und verschiedene Namen? Wenn Du das nicht lässt, werf ich alle Deine Kommentare raus.
Du kannst hier gerne mit Deinem Namen kommentieren und eine URL angeben, aber wenn das NUR noch SEO ist, fliegt es raus..
am 20. November 2008 um 00:21
Was sollen die denn machen? Die können das ja nicht finanzieren. Klar ist es sehr mies Stellen abzubauen, aber als Unternehmen bleibt mir keine andere Wahl, wenn das Geld knappt ist. Anders ist es, wenn ein Unternehmen in ein Schwellenland siedelt und deswegen Plätze abbaut, in dem Fall ist es aber so, dass man das nicht finanzieren kann.
am 10. Mai 2009 um 23:21
Auch bei der SZ wäre das Modell der Kurzarbeit möglich. Hierüber sollte man nachdenken, bevor man Mitarbeiter entläßt…….