Interview mit Sari (Mondgras und Projekt 52)



7. Februar 2009

Interviews

sariHeute habe ich ein eMail-Interview für euch auf das ich mich sehr gefreut habe. Es geht diesmal um ein Blog das mich persönlich sehr beeinflusst hat und aufgrund dessen ich bisher einige schöne Stunden hatte, und das mich in Kontakt mit einer Menge netter Leute und deren Blog gebracht hat.

Es geht diesmal um Sari, die junge Frau hinter dem Blog Mondgras und dem Projekt 52.

Jetzt aber los, hier sind die Antworten die Sari mir freundlicherweise gegeben hat:

Interview mit Sari

Hallo Sari, es gab, glaube ich, in letzter Zeit kein Blog das mich so stark beeinflusst hat wie Deines. Dein Projekt 52 macht mir nicht nur Spass beim Fotografieren und der Motivauswahl, ich habe durch die teilnehmenden Blogs eine Menge netter Leute und Blogs kennen gelernt.

Ein guter Grund mehr hinter die Kulissen zu blicken und ein bischen mehr über die Sari hinter dem Blog zu erfahren.

Deswegen freut es mich sehr Dir ein paar Fragen stellen zu können.

1. Matthias: Sari, woher kommt Deine Hauptmotivation fürs Bloggen? Du steckst ja nicht nur viel Zeit in das Projekt 52, sondern auch in Dein Blog.

Sari: Puh, gar nicht so einfach. Ganz am Anfang war ich ja nicht bei WordPress, sondern habe die Einträge immer per Hand verfasst und dann in HTML eingebaut, da das Tagebuch mehr wie so ein Updateservice diente. Mondgras war nämlich früher ein reines Portfolio. Irgendwann stiess ich auf WordPress und musste feststellen, dass sich alles damit insgesamt leichter verwalten ließ und irgendwann wurden aus den Update-Berichten ganze Lebensgeschichten. Heute ist das Bloggen für mich so etwas wie eine kleine Therapie. Es hilft mir den Kopf ein wenig frei zu bekommen, damit ich mich auf andere Dinge konzentrieren kann und gleichzeitig zeigt es mir mit Hilfe der Reaktionen der Leser, dass ich in vielen Dingen nicht alleine nur so denke. Das hat mir in manchen Lebenssituationen sehr geholfen und ich fühle mich heute weniger seltsam und verrückt wie früher *lach* Und gerade weil es mir so ein gutes Gefühl gibt, mache ich es gerne. Das heißt aber jetzt nicht, dass ich all meine Zeit da reininvestiere.

2. Matthias: Und wie sieht es mit dem Projekt 52 aus? Woher kam die Grundidee für dieses Projekt?

Sari: Das ist ziemlich simpel zu erklären. Im letzten Jahr berichtete jemand über das Projekt 365, das ja auch in diesem Jahr einige versuchen umzusetzen, bei dem man jeden Tag ein Foto machen soll. Allerdings nicht nach einem bestimmten Thema, sondern einfach, um den Tag wiederzuspiegeln. Die Idee fand ich sehr gut, aber ich wusste vorher schon, dass es irgendwann erst in etwas Halbherziges wandeln würde und schließlich ich es sicher sogar ständig vergessen würde. Das war mir dann doch zu schade. Als ich drüber nachdachte, ging mir auf, dass ich vielleicht trotzdem einen kleinen Nutzen daraus ziehen könnte, indem ich eben nicht jeden Tag sondern jede Woche ein Foto mache. Das erschien mir von der Umsetzung her realistischer. Als ich über die Idee im Blog sprach, wollten sich einige mit einklinken und gemeinsam entschieden wir dann, dass wir mit vorgegebenen Themen arbeiten wollten und so kam es dann zur Dose und irgendwann entwickelte sich alles so weit, dass wir heute nun schon mit einer neuen Runde Projekt 52 beginnen konnten. Ich bin immer noch ganz überrascht, was aus so einem laut gedachten Gedanken alles werden kann.

3. Matthias: Wieviel Zeit kostet Dich Dein Blog und das Projekt 52, und woher nimmst Du die Motivation so viel Deiner Freizeit mit Deiner Seite zu verbringen?

Sari: Hm, jetzt muss ich überlegen. Also da ich die Beiträge zum Projekt nebenbei immer im Feedreader abrufe, nimmt das grundsätzlich nicht viel Zeit ein. Das Verlinken der Beiträge dauert immer so ca. 15 Minuten, wenn ich es regelmäßig mache. Das bedeutet einmal morgens und einmal abends 15 Minuten Verlinken, wenn ich die Zeit dafür finde. Wenn ich es ein paar Tage mal nicht mache, dann dauert es natürlich etwas länger. Gott sei Dank gehöre ich nicht zu denen, die lange an einem Blogeintrag schreiben. Meistens sind es ja auch nur Dinge, die mir durch den Kopf gehen und die sind schnell geschrieben. Wenn ich also an meinen Beiträgen sitze, dann dauert das vielleicht eine halbe Stunde, bis alles geschrieben, bebildert und bereit zum veröffentlichen ist. Naja und die Motivation stellt wie gesagt die Kopfentleerung da und es macht Spaß zu lesen, wie andere zu den eigenen Gedanken und Meinungen stehen und manchmal ein bisschen in eine Diskussion einzusteigen. Die meiste Zeit verbringe ich allerdings realistisch betrachtet nicht unbedingt mit meiner eigenen Seite, sondern mit dem Abgrasen all der anderen schönen Blogs im Internet (oder wenn ich mal wieder am Design rumwerkel^^).

4. Matthias: Du sammelst leidenschaftlich gerne Kirschen. Warum gerade Kirschen, und wie weit würdest Du dafür gehen, quasi Dir die ganze Wohnung mit Kirsch-Kram vollstellen?

Sari: *lach* Dass du das gemerkt hast, wo ich schon lange nicht mehr von meinem Kirschwahn gesprochen habe. Ich kann gar nicht mal sagen, wie es dazu kam, aber ich liebe das Motiv an sich einfach. Kirschen machen sich immer und überall gut und irgendwann ist dieser Wahn einfach entstanden. Ein bisschen gleichwertig dürfen sich da ruhig auch Erdbeeren fühlen. Schön ist, dass jeder immer gleich an mich denken muss, wenn er Kirschen sieht und mir selbst fällt es schwer an etwas vorbei zu gehen, auf dem Kirschen abgebildet sind. Dabei fällt mir ein, dass ich mal wieder die von dir erwähnte Fotogalerie vervollständigen sollte, denn inzwischen sind da noch einige andere Sachen hinzugekommen. Sehr weit kann ich mit dem Wahn leider nicht gehen. Mein Held akzeptiert zwar meine Verrücktheiten in Bezug auf Kirsch, Kitsch und Hello Kitty, aber er mag es nicht, wenn ich die ganze Wohnung in ein kleines zuckersüßes Paradies verwandle. Aber so einen Hauch davon hat es schon. Ich muss das einfach akzeptieren, dass er den Kram nicht so mag und das ist durchaus auch in Ordnung so.

5. Matthias: Was treibst Du so wenn Du nicht bloggst? Womit verdienst Du Dein Geld und gibt es Hobbys die Du uns bisher vorenthalten hast?

Sari: Mein Geld verdiene ich als Erzieherin. Bald sind es schon zwei Jahre, die ich aktiv in diesem Beruf drin bin. Ursprüngliches Ziel war mal ein anderes, aber letztendlich bin ich dann doch hier gelandet. Die Motivation war im Übrigen trotzdem das Kreativ sein, denn mit Kindern kann man durchaus sehr kreativ sein. Nicht nur in Bezug auf Basteln und Co. Mittwochs veranstalte ich zum Beispiel in meiner Einrichtung für die 3. und 4. Klässler einen Manga – Zeichenzirkel, dienstags gibt es für die Kleinen eine Entspannungsstunde mit kreativen Teil und und und.

Und daraus besteht auch zum Teil meine Freizeit. Sicher, viel Zeit verbringe ich im Internet, aber meine Hobbies finden sich vor allem im Zeichnen und im Fotografieren wieder. Manchmal schreibe ich auch. Jetzt nicht im Blog, sondern kleine Geschichten, die ich dann auch selbst illustriere. Aber das passiert eher selten, weil ich nach so einem Arbeitstag dann doch in der Regel sehr geschlaucht bin. Aber ich glaube das sind alles Dinge, die Ihr bereits wisst, oder? Gibt es versteckte Geheimnisse? *grübel* Nein, ich glaube nicht…

6. Matthias: Gibt es einen ultimativen Tipp den Du einem gerade beginnenden Blogger mit auf den Weg geben würdest, und gibt es eine Todsünde die man beim bloggen Deiner Meinung nach unbedingt vermeiden sollte?

Sari: Also ich weiß noch, als ich mit dem „richtigen“ Bloggen anfing, da habe ich alles Mögliche immer in einen Beitrag gequetscht. Was ich gemacht habe, was ich getan habe, was ich gedacht und gesehen habe. Alles in einen Beitrag rein. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es sich besser lesen lässt, wenn man die Inhalte ein wenig trennt. Wenn ich um 10 Uhr von meinen Gedanken erzähle, um 15 Uhr von einem Ort, den ich entdeckt habe und um 18 Uhr von einer Internetseite, die ich toll finde, dann kann man alles ein bisschen besser nachvollziehen (und die Leute schauen öfter bei Dir vorbei). Auch lohnt es sich vor allem am Anfang sich ein paar schöne Blogs herauszusuchen und sinnvoll zu kommentieren, denn wenn du bei anderen gute und interessante Kommentare hinterlässt, wird man neugierig und schaut mit Sicherheit auch mal bei Dir vorbei. Schaden kann es auch niemals, sich in den einen oder anderen Service einzutragen. Bloggeramt, Bloggerei usw.

Eine Todsünde fällt mir jetzt so auf Anhieb nicht ein. Was mich persönlich wenig interessiert sind banale und dumme Beleidigungen in alle Richtungen und wo ich auch oft nicht so die Zeit für habe sind sehr lange Artikel, so leid es mir tut. Aber manchmal kann ich sie nur kurz überfliegen oder klicke gleich weg. Mein Lehrer nannte so etwas dann immer Kürzungskompetenz, das sollten wir alle immer noch lernen. Das Wesentlich in wenige Worte packen. (und ja, ich weiß, dass ich mir da manchmal immer noch an die eigene Nase packen sollte *rotwerd*).

Was mir persönlich im Moment allerdings noch massiv auf die Nerven geht sind diese vielen Blogbeiträge zu den verschiedensten Wettbewerben. Ich weiß, es kann nie schaden zu versuchen, etwas zu gewinnen, aber dann kann man das alles doch wenigstens etwas kreativer verpacken, oder? Das ist das Schöne an Fotowettbewerben, kleinen Aufgaben und Co. Wenn jeder nur schreiben muss „Da kann man was gewinnen“ und bei 300 Blogs im Reader schreiben das 200, das kann einen schon verrückt machen und nach dem 3. Beitrag dieser Art klickt man die restlichen einfach weg.

7. Matthias: Könntest Du Dir vorstellen ein Vollzeitblogger zu werden, also Deinen Lebensunterhalt mit Deinem Blog zu verdienen?

Sari: Nein, ich wüsste auch gar nicht wie. Manchmal bekomme ich Anfragen, ob ich Werbung schalten würde, aber da bin ich mir noch immer unsicher und so viel, wie ich davon schalten müsste, um davon leben zu können, wäre fast schon unverschämt. Außerdem gibt es ja auch noch ein Leben neben dem Blog, ohne das der Blog gar nicht existieren könnte. Wie schaffen es Menschen denn nur vom Bloggen zu leben? Das würde mich ja durchaus mal interessieren.

8. Matthias: Du gliederst Dein Blog ja in diverse Kategorien, welches davon würdest Du als Deine Lieblingskategorie wählen und warum?

Sari: Hm…Lieblingskategorie *grübel* Das ist gar nicht so einfach, nicht zuletzt, weil ich ständig welche lösche und neue hinzufüge, ich muss da endlich mal ein vernünftiges System finden. Also zum Einen würde ich hier jetzt wahrscheinlich die Kategorie „Empfehlungen“ nennen, weil ich in dieser Sparte immer von vielen Dingen berichte, die ich entdeckt habe und die ich für wirklich gut empfinde. Immerhin tauchen in dieser Kategorie Blogs auf, die ich gerne und viel lese, all die Bücher, die ich massenweise verschlinge und auch Musikstücke, die in meinem Leben eine große Rolle spielen. Aber auch die Kategorie „Die Welt entdecken“ nutze ich gerne, denn sie erzählt von Orten, die ich gerne sehen möchte, die ich bereits sehen durfte, die ich durch Zufall entdeckt habe und und.

9. Matthias: Wie kommt Dein Freund mit der bloggenden Freundin klar? Stört es ihn manchmal, dass Du so viel Zeit in Dein Hobby steckst und wie geht Ihr damit dann um?

Sari: *lach* Lass das nicht meinen Helden sehen, dass du ihn Freund nennst, wo er doch inzwischen mein Mann ist. Wie kommt er damit klar?*hm* Ich glaube am Anfang hat es ihn mehr gestört. Inzwischen sieht er, was man alles schon mit dem Blog erreichen konnte und wenn ich dann mal sage: Halt das Mal da hin, damit ich ein Foto für den Blog machen kann, dann macht er es auch. Manchmal sagt er sogar selbst, wenn er sich sehr über etwas ärgert (schlechter Service o.ä.): Schreib das Mal in Deinen Blog. Aber insgesamt kann er damit wenig anfangen. Aber er wäre nicht mein Held, wenn er mir nicht hier und da mal ein bisschen mit dem Blog helfen würde. Ich hätte das Teil schon so oft beinahe geschrottet, oder Dinge, die ich auf dem Blog gerne haben möchte nicht hinbekommen, so dass er kommen und mich und meinen Blog retten musste *lach* Er ist auch derjenige, der sich bei Serverausfällen mit meinem Anbieter streitet. Er ist einfach der ultimative Held für Sari.

10. Matthias: Du hast, dank dem Projekt 52, ja sicher hunderte Blogs in Deinem RSS Reader. Welche Blogs aber liest Du wirklich gerne und warum?

Sari: Da sind einige Blogs im Reader, ja. Alleine durch das Projekt 52 finden sich dort aktuell 315 Feeds wieder und hinzu kommen dann nochmal an die 50, die ich persönlich vorher schon abonniert hatte. Grundsätzlich lese ich gerne Blogs, die sich mit dem normalen Leben beschäftigen und immer auch einen leichten Knall vorzuweisen haben. Ich bin ja selbst nicht die Normalität in Person mit all dem Kinderkram, den ich auf meiner Seite habe. Ich liebe die Blogs, die sich durch eine Besonderheit von dem Rest der Welt unterscheiden können. Festlegen kann ich mich allerdings nicht. Alle Blogs, die ich selbst in den Reader getan habe, haben etwas, das mich fasziniert. Manchmal sind es die Bilder, manchmal die Geschichten, manchmal die Informationen, manchmal die Art zu schreiben…

11. Matthias: Und als letzte Frage, wo geht das Blog Mondgras 2009 hin und gibt es Änderungen die Du für Dein Blog oder das Projekt 52 planst?

Sari: Änderungen? Nein, eigentlich nicht. Wie ich entwickelt sich der Blog von ganz alleine. Die Geschichten werden sich verändern, die Darstellung, alles Stück für Stück und ohne, dass man die Wandlung bewusst mitbekommt. So wie in den letzten Jahren und Monaten auch. Etwas Konkretes ist nicht geplant. Zeitweise denke ich darüber nach das Projekt 52 auszulagern und dann entscheide ich mich doch wieder dagegen, weil es einfach zu Mondgras dazu gehört, wie mein Held zu mir. Nein, es bleibt alles, wie es ist und wird sich auf einem ganz natürlichem Wege weiterentwickeln, wie ein kleines Kind J

Vielen Dank an Sari für die offenen Worte, und sorry an den Sari-Held, dass ich ihn Freund und nicht Ehemann genannt habe 😉

Wie immer, Feedback sowohl zum Interview als auch zu Saris Meinung  immer gerne..

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P.S.: Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Matthias und ich schreibe hier nun schon seit 2007 mit viel Spass. Du kannst mich zusätzlich auch auf Google+ erreichen, aber noch mehr freue ich mich über einen Austausch per Kommentar.

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