Kerner schmeißt Eva Herman raus – Sinn oder Unsinn ?



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Gast Meinung von Vergißmeinicht :
Betrachten wir es mal aus der Sicht einer Frau

Viele von uns, ob Männlein oder Weiblein, haben Dienstag ungläubig vor dem Fernseher gesessen. Denn dort kam es zu einem der seltenen Eklats im deutschen Fernsehen. KERNER SCHMEISST EVA HERMAN RAUS. Und wer des Abends nicht gebannt in die Röhre schaute, hat zumindest am nächsten morgen die Live-Mitschnitte im Radio oder auf YouTube aufgezwungen bekommen. Doch was bedeutet Kerners mutige Tat eigentlich?

Fassen wir (aus Sicht einer Frau im Zielgruppen-Alter von Eva Hermans Büchern) die bisherigen Geschehnisse doch mal zusammen: Eine Tagesschau- und Talk Show-Moderatorin mittleren Alters mit nicht stringent verlaufendem Familienleben schreibt mittlerweile zwei Bücher über das Frau-Sein in unserer Gesellschaft. Alleine diese Bücher spalten schon die Gesellschaft. Die einen sehen die Märtyrerin für die Frau und die Familie, die anderen fassen sich an den Kopf, wie man so etwas nur schreiben kann.

Zugegebenermaßen habe nie eines dieser Bücher gelesen. Ehrlich gesagt, warum sollte ich das auch? Ich mag mein Leben, ich mag Familie, ich mag aber auch meinen Job. Und nichts davon will ich aufgeben. Warum sollte ich also ein Buch lesen, das mir erklärt, wie es doch besser ginge? Die Diskussion über die Bücher ermüdet auch allmählich. Ich glaube, kaum einer hat die Bücher wirklich gelesen. Letztlich sind es meiner Meinung nach auch nicht die Bücher, die hier das Interesse auslösen, sondern der Umstand, dass Frau Herman von verschiedenen Gruppen instrumentalisiert wird. Seien es konservativ-katholische Verbände oder – wie uns Bild heute morgen zur Kenntnis bringt – eine rechts einzuordnende Vereinigung, die nun in Form einer Demo die Lanze für Frau Herman brechen will. Damit tut die Ex-Tagessschau-Sprecherin sich sicherlich keinen Gefallen.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Musste Herr Kerner Frau Hermann wirklich rauswerfen? Auch hier noch mal eine kurze Bestandsaufnahme: im Studio anwesend waren Frau Schreinemakers, Frau Berger, Herr Barth und ein Geschichtsexperte..
Im Laufe der Unterhaltung haben diese Gäste wohl immer wieder durchblicken lassen, dass sie lieber den Saal verlassen, als Frau Herman weiter zuzuhören.

Doch was hatte Eva Herman gesagt? Die alles auslösende Bemerkung war der Vergleich, dass im Dritten Reich Autobahnen gebaut worden seien, auf denen wir heute noch fahren. Hier muß die Frage erlaubt sein, was so schlimm daran ist, dass man das sagt, in Deutschland herrscht doch Meinungsfreiheit. Deutschland ist in Bezug auf das Dritte Reich sehr sensibel. Und man tut sich als Promi, der ohnehin schon in der Schusslinie steht keinen Gefallen, wenn man sich auf derart dünnes Eis begibt und nicht über ein umfassendes geschichtliches Wissen verfügt.

Warum hat sich das getan? Hier kann man nur Vermutungen anstellen. Als Außenstehender könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass sie nicht eingestehen wollte, dass ihre ursprüngliche Anspielung auf das Muttersein im Dritten Reich nicht nur unglücklich war, sondern auch hinkte. Warum sie überhaupt darauf zurückgreifen musste, ist mir bis dato verborgen geblieben. Mir, als Mitglied einer jungen Generation ist es doch völlig gleich, wie Frauen vor 60 Jahren lebten. Ich muss doch heute mit meinem Leben zurecht kommen. Nun gut…. Anstatt also einzugestehen, dass man einen Fehler gemacht hat, verstrickt sie sich weiter in Dritte Reich – Vergleiche, die nicht passen. Ich möchte doch als Frau keine Autobahn sein, auf der man heute noch fährt. Ich möchte mein Leben im Heute und Jetzt gestalten, nach modernen Regeln und alle Möglichkeiten ausschöpfen, die die Welt mir bietet.

Doch war der Rauswurf gerechtfertigt? Diese Frage ist eigentlich kaum zu beantworten. Wären ansonsten die anderen Gäste gegangen? In dieser Gefahr schwebte wohl das Interview. Herrn Kerner hätte dann recht alt ausgesehen, mit vier leeren Stühlen und nur Frau Herman als Gesprächspartnerin. Von daher war ihr Rauswurf sicherlich das kleinere Übel. Ob jedoch (den Geschichtsexperten mal ausgenommen) die anderen Gäste die geeigneten Geschworenen waren, möchte hier mal offen lassen.

Eine letzte Frage möchte ich aber noch stellen: musste das ZDF die Sendung dann wirklich ausstrahlen? Haben sie nicht diesen Eklat zu eigenem Nutzen verwendet? Hätten sie nicht einfach auf diese Sendung verzichten können? Dann könnte sich Deutschland jetzt wichtigen Themen widmen und rechts gerichtete Vereinigungen hätten kein neues Futter mit dem sie demonstrieren können. Damit hätte man der Sache und dem Fernsehzuschauer wirklich einen Gefallen getan.

Bildet euch eure eigene Meinung, hier die Videos der umstrittenen Johannes B. Kerner Show:

Der Rauswurf:

Johannes B. Kerner Show Teil 1 – Vorlauf:

Johannes B. Kerner Show Teil 2 – Der Rauswurf:

So, nun zu Dir. Was denkst Du über dieses Thema?



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Erstellt: Donnerstag, 11. Oktober 2007


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7 Reaktionen zu “Kerner schmeißt Eva Herman raus – Sinn oder Unsinn ?”

Davon 5 Kommentare, 0 Tweetbacks und 2 Trackbacks.

Kommentare (5)

  1. Genau! Warum Frauen mit Autobahnen vergleichen? Und warum soll ich mich dafür interessieren?
    Weil sich dieser lächerliche “60-Jahre-danach-Widerstandsclub” so erregen musste?

    Alles Mist! Alles verlogen!
    Am Ende geht´s um verkaufte Bücher und Einschaltquoten und kein bisschen um Mütter, Autobahnen oder weiß der Geier was.

  2. Peter Pan sagte:

    Zum inhaltlich diskutierten: Die Bindungsforschung sagt keineswegs pauschal das, was E. H. publiziert. Eine qualitativ gute Betreuung schon in der frühen Kindheit fördert keinesfalls die Vulnerabilität für eine Bindungsstörung o. ä.. Bei Entlastung der Mutter über eine objektiv gute zeitbegrenzete außerfamiliäre Betreuung stellt sich über eine Entlastung der Familiensituation oft vermehrt der gegenteilige Effekt ein.

    Aber leider geht es in diesem Fall ja nun gar nicht um die inhaltliche Diskussion. Wusstet Ihr, dass ein großer Teil der Fernesehzuschauer sehr wahrscheinlich mit E. H. sympathisieren wird, unabhängig von dem was sie gesagt hat? Dies geschieht allein aus dem Grund, dass sie durch Ihren “Rausschmiss” in eine Opferrolle gedrängt wurde. Dann zählt nicht mehr, was sie sagt bzw. gesagt hat (auch, wenn sie eigentlich gar nichts gesagt hat, da sie genau genommen keinerlei klare Aussage gemacht hat; wäre wahrscheinlich auch marketing-technisch zu gefährlich gewesen).
    Somit muss ich dem “Meinungs-Äusserer” vor mir zustimmen: Es geht mal wieder um Geld und vielleicht ein wenig Macht und Bewunderung…viel Publicity (die ich ja gerade auch hier fördere) und die Neugier ihre Bücher zu lesen und somit vielleicht zu kaufen (die wahrscheinlich genauso wenig klare Thesen aufzeigen wie ihre sonstigen Aussagen)…vom Erlös kauft sich E. H. vielleicht dann ein gutes deutsches Wertauto ;-)

    Kritisch wird es nun, wenn sich politische Gruppierungen ihrer Aussaugen bedienen und damit auftrumpfen wollen, spätestens hier sind die Grenzen des Marketings erreicht und es wäre eine klare, nicht mehrfach interpretierbare, Positionierung nötig.

  3. sebastian sagte:

    Ich habe mir gerade (nachträglich) die Sendung angesehen.
    Ich denke der Rauswurf war in Ordnung. E. H. ging mit der Meinung “Die Erde ist eine Scheibe” in die Sendung. Ihr wurde dann ein Experte vor die Nase gesetzt, der klar stellte, dass das sachlich falsch ist. Ihr wurden mehrere Türen geöffnet, Ihre Meinung zu revidieren, die sie allesamt ablehnte.
    Nachdem dann die anderen Gäste abwandern wollten, war es aus meiner Sicht i. O. sie zu verabschieden. Auf diesem Niveau konnte man mit ihr eh nicht mehr mit Ihr diskutieren.

    Wenn E. H. nach dieser Veranstaltung die Gesellschaft polarisiert, kann das doch nur nützlich sein. Wie Westerwelle sagt, jeder müsse in einer Runde der Dümmste sein, er muss sich nur nicht per Handzeichen melden. -Wenn er es trotzdem tut, ist es doch praktisch, dann muss man nicht solange suchen..

  4. Eva Herman ist aktuell weder rechtsextrem noch verharmlost sie die Familienpolitik der Nazis, prangert diese eher an. Aber in der freien Rede ist sie unglaublich ungeschickt. Und das ist ganz bestimmt ein Skandal – und natürlich das Talktribunal. Liest man das Wortlautprotokoll von Kerners Sendung, dann möchte ich festhalten: Freispruch für Eva Herman. Aber eindeutig!

  5. Beim Thema “Eva Herman” wird die Intelligenz mit Füßen getreten. Selbst wenn man, wie ich, Hermans Herleitung und Einschätzung zur Rolle von Frau und Familie heute im Hinblick auf die Geschichte nicht folgen will, so wird offenbar, daß sie mitnichten das gesagt hat, was Ihr immer wieder unterstellt wird. Statt dessen wird in den Medien immer wieder dieselbe Leier abgespielt und die Vernunft bleibt nahezu auf der Strecke.
    Wo Herman meiner Meinung nach falsch liegt in Bezug auf die 68er, ist die völlige Überbewertung der deutschlandspezifischen Zusammenhänge, also der “Werte” (Familie, Kinder, etc.) VOR der Nazidiktatur, deren Pervertierung WÄHREND der NS-Zeit und der Umgang damit (als Reaktion auf die NS-Zeit) durch die sog. 68er. Ich denke, die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in den späten 60er-Jahren und danach waren viel zu vielschichtig und das Thema NS-Diktatur in diesem Kontext nur ein im Wesentlichen auf Deutschland zutreffender Aspekt dieser Zeit. Insofern war es meiner Meinung nach der einzige “Fehler” von Frau Herman, diesen Aspekt überhaupt solche Bedeutung beizumessen. Wobei ich dabei selbst wiederum Eva Hermann verkürzt “wiedergebe”, weil ich nicht weiß, inwiefern sie auch auf andere Aspekte bezüglich des Ursprungs und der “Ziele” der 68er eingegegangen war.
    Der Vorfall bei Kerner und die Reaktionen und der Umgang in den Medien offenbart jedenfalls erhebliche Defizite in der deutschen Medienlandschaft und der von ihnen publizierten Meinung. Engagiert für eine sachliche Auseinandersetzung und Aufklärung war bei Kerner einzig und allein Eva Herman bei der Sache. Bei den unmittelbaren Reaktionen der wichtigsten deutschen Presseorgane darauf, die nahezu unisono dieselbe DPA-Meldung veröffentlichten, könnte man bösartig und provokativ durchaus das Wort “Gleichschaltung” gebrauchen, meine ich. Nicht weil diese Wortwahl in ihrer historischen Bedeutung angebracht wäre, aber weil Sie eigentlich zur sachlich inhaltlichen Analyse und Aufarbeitung des Themas (z.B. “Wer hat nun eigentlich genau was gesagt?” oder “Um was geht es eigentlich genau?”) provozieren müsste. Stattdessen liefern die wichtigsten Medien und Meinungsführer ein Armutszeugnis ab. Ich sehe gewisse (zugegeben vielleicht auch etwas weit hergeholte) Parallelen im Umgang mit einem selbstauferlegten Tabu-Thema zu den USA während Senator McCarthy.
    Man verlangt von Frau Herman einen Kotau zu machen und ich bewundere Sie dafür, daß Sie sich trotz des massiven Drucks nicht beugt.


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  1. [...] Keks, Kerner Gelsenkirchen Blog: Eva Herman: Frauenbilder und Quotenhuren Das Meinungs-Blog: Kerner schmeißt Eva Herman raus – Sinn oder Unsinn ? Law on the Blog: Eva Herman bei “Kerner” – eine öffentliche Hinrichtung B.L.O.G.: Jetzt habe [...]

  2. [...] ihrer Bewertung, fragt dann aber – in der schönen Vogel-Strauss-Art – nach dem Sinn der Sendung (Link): musste das ZDF die Sendung dann wirklich ausstrahlen? Haben sie nicht diesen Eklat zu eigenem [...]

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